Nichts.


Zu wissen, wer man ist, ist wichtig.

Aber wir alle haben einen Teil in uns, der fragt, OB wir überhaupt sind. Ob wir das Recht haben, zu existieren. Ob wir wichtig sind oder überflüssig.

Bin ich nichts? Bin ich niemand? Oder bin ich jemand, bin ich etwas hier in dieser Welt?

Jede/r von uns holt sich das Gefühl woanders her. Manche über die Beziehung (der andere sieht mich, für den/die bin ich wichtig, also bin ich es wirklich). Manche über den Job (ich BIN mein Beruf). Manche über die Familie (ich BIN Mutter oder Vater). Und für viele reicht das nicht, sie haben eine innere Unruhe und sind auf der Suche, oder süchtig nach irgend etwas.

Ich glaube, die gesunde Basis wird in der Kindheit gelegt. Gibt es Menschen, die dich sehen, dann weißt du, dass du hier sein darfst und sollst. Gibt es sie nicht, bist du ein Objekt, oder wirst durch Ereignisse, egal welcher Art, zu einem Objekt gemacht.

Dann bleibt da ein Zweifel, eine Leerstelle.

Denn Objekte sind nichts ohne ihr Subjekt, ohne ihren Bezugspunkt. Ist also eine ziemlich wacklige Angelegenheit. Ist der Job weg, oder die Frau/der Mann, ist die Familie weg, egal aus welchem Grund, dann ist es wieder da, dieses Gefühl, dieses Nichts. Kaum ein Schmerz ist stärker, kaum ein Druck größer, dieses Gefühl irgendwie zu beseitigen, zu unterdrücken, loszuwerden.

Aber solange du das tust, sind deine Bezugspunkte, sprich die anderen Menschen, genau so wie du. Sie tun dasselbe. Sie unterdrücken ihr Nichts-Gefühl und sind sofort bereit, sich mit dir zu verbünden, um es zusammen zu tun, und um jemanden zu haben, den sie benutzen können.

Aber es funktioniert nicht. So bedürftig, wie du bist, kann dich auf Dauer kein anderer und keine andere retten, keine Aufgabe, keine Substanz, keine große Liebe. Die innere Unruhe bleibt, die Süchte bleiben, die Ausweichstrategien bleiben auch.

Es hilft alles nichts. Du musst dich versöhnen. Du musst denen vergeben, die dir das angetan haben, die dich zum Objekt degradiert haben. Nicht einfach so, sondern in dem du alles fühlst, was das in dir ausgelöst hast, und es ihnen idealerweise auch mitteilst. Lass die Gefühle raus, bis du leer bist. Wenn du das allein mit dir ausmachen willst (und kannst), dann ist das auch okay.

Und dann lass los.

Lerne, das Nichts auszuhalten.

Verstehe, dass du ALLES sein kannst, aber nur, wenn du auch NICHTS sein kannst.

Verstehe, dass du dich komplett selbst erfinden kannst, dass dich niemand außer dir selbst definiert, aber nur, wenn du bei Null anfängst. Totaler Neustart. Der große Reset-Knopf.

Denn du bist hier. Deine Mutter hat dich geboren. Sie hat sich für dich entschieden, dein Körper hat dich bis heute am Leben gehalten, du atmest, dein Herz schlägt.

Du bist hier.

Und allein deshalb bist du wichtig. Du bist jemand (selbst wenn du es gerade für niemanden anders sein solltest). Du bist nicht Nichts, du bist Etwas.

Und dieses Etwas purzelt aus dem Ei deiner alten Geschichten, wirft die Schale ab, reibt sich die Augen und schaut sich um. Und findet das eigene Leben. Direkt vor der Nase. Angefangen mit der ersten Wahl: rechts oder links? Oder geradeaus? Durst oder Hunger? Worauf?

Das bist du. Nichts anderes. Nichts was man dir erzählt hat, nichts womit man dich beschimpft oder wofür man dich kritisiert hat. Auch nichts wofür man dich lobt oder mag. Nichts, was über dich gesagt und behauptest wird.

Sondern einfach nichts. Das ist deine Basis. Und auf der zählen ab sofort nur noch deine Entscheidungen.

Was möchtest du als Nächstes erschaffen? Was möchtest du als Nächstes erleben? Wer möchtest du heute sein?