Conscious Communication

Conscious communication ist – direkt übersetzt – bewusste Kommunikation. Aber das ist noch nicht alles. Wie immer geht in der Übersetzung etwas verloren, und manche Begriffe haben einen schlechten Ruf. Conscious bedeutet auch „mit Gewissen (consciousness)“. Es bedeutet auch, „wach“ zu kommunizieren.

Das wiederum heißt, sich der Konsequenzen der Kommunikation bewusst zu sein, und diese mit dem eigenen Gewissen vereinbaren zu können. Habe ich die Wahrheit gesagt (oder geschrieben)? Ist es mit dem vereinbar, wofür ich stehe? Wer ich sein will? Hilft es mir, an mein Ziel zu kommen? Ohne dabei anderen zu schaden? Das ist nicht gleichbedeutend mit „ohne andere vor den Kopf zu stoßen“. Das ist bei bewusster Kommunikation nicht nur möglich, es ist sogar wahrscheinlich.

Aber in Kauf zu nehmen, dass andere nicht meiner Meinung sind, oder über mich urteilen, ist nicht dasselbe wie anderen bewusst zu schaden, oder den Schaden bewusst in Kauf zu nehmen.

Virgina Woolf hat geschrieben, „If you do not tell the truth about yourself, you cannot tell it about other people“. Bewusste Kommunikation sagt die Wahrheit, oder zumindest drückt es aus, was man selbst als Wahrheit empfindet. Das erfordert Mut, aber nur so trifft man auf Gleichgesinnte. Wer dich nicht sehen kann (weil du dich nicht zeigst), der kann dich auch nicht um deiner selbst Willen mögen (oder dein Produkt, oder deine Dienstleistung).

Wenn du sagst, was du denkst, und tust, was du sagst, dann verpflichtest du dich dir selbst. Das macht glaubwürdig, und das spüren auch die anderen.

Du willst, das man dir glaubt? Glaub dir selbst. Du willst, dass man dir vertraut? Vertraue dir selbst. Wenn dein Vorhaben und deine Vision wahrhaftig sind, und du weißt, was für ein Mensch du sein willst, dann hat das zwei Vorteile:

1. Du wirst auch deinem Erfolg glauben, er wird sich gut anfühlen, und du wirst mehr und mehr das tun, was du wirklich willst, und du wirst immer mehr Menschen treffen, die so ticken wie du.

2. Du kannst du keinen Schaden anrichten. Es ist einfach unmöglich.

Aber dafür musst du auch bereit sein, folgendes zu tun (um mit Oprah zu sprechen): „You GOT to tell the truth. You GOT to tell the truth. You GOT to tell the truth.“

Mein Kunde und ich – eine kleine Beziehungs-geschichte

Jaja, das waren noch Zeiten, damals nach dem Krieg, oder dem Mauerfall, als es nichts gab und der Markt für diejenigen, die etwas verkaufen wollten, so einfach war wie das kleine Einmaleins.

Die Mechanik kennen wir aus der Steinzeit: Suche das Mammut, finde das Mammut, erlege es und schleife es nach Hause. Mit anderen Worten, bringe irgendwas auf den (leergefegten) Nachkriegs-(oder Nachwende-)Markt, und du wirst es auf jeden Fall los.

Man könnte sagen, der Kunde war das Schaf, es hatte Hunger, man fütterte es, fertig.

Das hat super funktioniert – so lang bis die Mammutwiese leer war, also alle Bedürfnisse gestillt.

Auftritt Marketing. Die Mechanik entspricht der einer klassischen Romanze, und sie bedient sich derselben Begriffe: Potenzielle Käufer werden zum „Zielobjekt“, dann werden sie so lange „umworben“, bis man sie „gewonnen“ hat. Damit sie bei einem bleiben, werden sie abwechselnd mit Verunsicherung und Lob gefüttert, und wenn das nicht mehr reicht, denkt man sich neue Bedürfnisse aus, und verspricht deren Erfüllung.

Plötzlich ist der Kunde „die Angebetete“, das Unternehmen „der Kavalier/Märchenprinz“, der es umwirbt, gewinnt, und die Beziehung durch immer neue Impulse am Leben hält.

Das ist erstmal spannend und unterhaltsam, aber auf Dauer ganz schön mühsam. Und es hat den Nachteil, dass selbst die gutgläubigsten Zielobjekte irgendwann merken, dass sich das versprochene Glück irgendwie leer anfühlt, so leer wie ihr Bankkonto. Wenn dann auch der Unterhaltungswert nachlässt, ist Schluss mit der Masche.

Ungefähr da befinden wir uns heute. Es gibt hier und da noch ein paar Mammutjäger, zum Beispiel Waffenhändler oder Drogenbosse. Und das klassische Marketing gibt sich wirklich Mühe, erfindet neue Tools und wildert in angrenzenden Bereichen, wie der Politik, oder dem Arbeitsmarkt. Aber die Zielobjekte langweilen sich und sind unberechenbar geworden.

Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und glauben nicht mehr alles, was man ihnen erzählt. Vor allem aber können sie sich den Wettlauf mit der Selbstwert-Maschinerie gar nicht mehr leisten.

Zeit für Phase drei: die freiwillige Zusammenarbeit. Kooperation unter Freunden. Vertrauen statt Manipulation oder Co-Abhängigkeit. Eine Beziehung auf Augenhöhe zwischen gleichwertigen Partnern.

Dafür müssen Unternehmen sich nicht länger mit der Zielgruppe, sondern mit sich selbst befassen. Ihre Fehler erkennen und zugeben und sichtbar an ihnen arbeiten. Erhobenen Hauptes zu sich selbst stehen. Nichts vertuschen, nichts verheimlichen, sondern die Fehler der Vergangenheit integrieren und sich bessern. Das klingt moralisch, und das ist es auch, denn anders wird er nicht funktionieren, der Vertrauensaufbau. Denn Kooperation ist nun mal freiwillig, und der Wunsch nach Autonomie seitens beider Partner die Basis für einen respektvollen Umgang miteinander.

Vom Mammut/Schaf über das naive Dummchen zur selbstbestimmten Autorität über das eigene Leben. Die Emanzipation hat stattgefunden, und die Erwartung ist eine neue. Es wird Mut und innere Stärke brauchen, sie zu erfüllen, ständige Weiterentwicklung und die Bereitschaft zur Veränderung. Wer das nicht mag, muss wohl wieder einen Krieg anzetteln.

Wie feiert man Verantwortung?

Ich habe heute eine sehr schräge Perspektive auf die Welt.

Für mich scheint jeder Mist, der grad schiefläuft, an einem Ende einen Mann zu haben, der ein Kind bleiben will.

BESONDERS die, die dafür bezahlt werden.

Das klingt dann so: „Ich will aber Glyphosat in Deutschland haben. Das hab ich meinen Kumpels versprochen.“ – „Das geht aber nicht, du bist gewählter Politiker, du musst die Interessen der Wähler vertreten und dich ans Gesetz halten.“ – „ich will aber nicht!“ – „Du musst.“ – „Aber das finde ich doof.“ – „Trotzdem.“ – „Ach Männo.“ – „-“ (später, allein) „Na das wollen wir doch mal sehen.“ (noch später) „Ich war’s nicht, der war’s! Die anderen machen es auch! Wär eh nicht gegangen!“ (springt mit geballten Fäusten auf und ab, beschwert sich bei Mami (=seinem Anwalt), schimpft über die Ungerechtigkeit der Welt).

Als wär unser ganzes Handeln hier auf der Welt in Wahrheit ein Wettstreit (von größtenteils Männern), wer länger ein kleiner Junge bleiben darf, und damit durchkommt. Jeder Sieg ein Punkt, wild bejubelt von den anderen.

All das, was wir an Männern traditionell bewundert haben, ist im Grunde ein gedankenloses Voranpreschen in kindlicher Freude. Extreme Macht und extremer Reichtum sind das Ergebnis sportlichen Ehrgeizes, ein Spiel. Kriege: sie sind verantwortungslos, machen aber Spaß wie wahr gewordene Ballerspiele.

Aber Drachentöten und im Blut baden kann man sich nicht mehr erlauben, wenn es sich um aussterbende Arten handelt, und sie keine Bedrohung für Dornröschen darstellen. „Och Mann!! Es macht aber doch so viel Spaaaaß! Bitteeeee! Ich will aber!!!“

So lang wir das belohnen und bewundern, oder belächeln und verharmlosen, werden aus kleinen Jungs nur große Jungs. Sie werden nicht erwachsen, nur immer besser darin, es zu verschleiern.

Und ja, das war ein Wortspiel.

Verantwortung ist lahm, langweilig und das Zeichen, dass man sich (von einer Frau) hat erwischen lassen. Man ist ein bisschen der Loser, spielt nicht mehr bei den coolen Jungs mit, ist ein Spielverderber.

Wenn wir Frauen also wollen, dass sich das ändert, müssen wir aufhören, es zu belohnen, zu bewundern, zu ermutigen. Wir müssen selbst Verantwortung übernehmen, statt uns Versorger, Beschützer und Platzhirsche zu suchen. Wacht auf Mädels! Das Millionärsmodell ist vom Tisch. Prinzessinnen sind magersüchtig und sterben in Limousinen mit überhöhter Geschwindigkeit. Trophy Wife ist ein Scheißjob.

Und wenn wir einen Mann wollen: Suchen wir uns die, die Verantwortung übernehmen, und verwechseln wir ihre Zuwendung, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit nicht mit Schwäche oder fehlender Coolness.

Zeigen wir unseren Söhnen und Töchtern die Lächerlichkeit von Mittdreißigern, die mit quietschenden Reifen und brüllend lauter Musik im Tuning-Japaner vorfahren und das ganz ernst meinen: „Der spielt noch mit Autos. Sie sind nur größer geworden“. (oder auch „Sie spielt Prinzessin. Nur mit echtem Geld.“)

Ziehen wir zur Verantwortung und werden darin ein Vorbild.

Nur so wird es Stück für Stück selbstverständlich, verantwortungsvoll zu handeln, und wir kommen endlich weg vom Feiern der Verantwortungslosigkeit.

 

Das ganz ganz große Glück

Wenn ich mich gerade in der Welt umschaue, habe ich den Eindruck, dass wir immer mehr zu einem riesigen Kindergarten degenerieren. Wir jammern und meckern und maulen rum, weil Mami (Chefin) oder Papi (Freund) uns nicht geben, was wir wollen. Wir regen uns über Banalitäten auf, die unser echtes Leben kaum oder gar nicht berühren, wie Promi-Scheidungen oder den rauchenden Nachbarn auf dem Balkon.

Und da, wo es wirklich ernst wird, bei Korruption, Radikalisierung, der Verschleierung der Staatsfinanzen, der Zerstörung der Natur – da schauen wir weg. Denn es ist kompliziert, wir verstehen das nicht, und Mami oder Papi wird’s schon richten.

Irgendwie ist uns die Notwendigkeit des Erwachsenwerdens abhanden gekommen. Tja, würden da meine Eltern sagen, ihr habt ja auch keinen Krieg erlebt. Wenn man fast gestorben ist, dann muss das fast dazu führen, dass man hinterher erwachsen ist.

Und wie es aussieht, finden eine Menge Leute, dass so ein neuer Krieg eine ziemlich gute Idee wäre. Außerdem ist es gut für die Wirtschaft, und wir sind eh zu viele, blablabla…

Aber das ist totaler Quatsch. Initiationsriten vom Kind- zum Erwachsenensein gab es schon immer. Man braucht dazu wirklich keinen Krieg. Nur: was ist die Alternative?

Ich habe von meinen Kriegs-Kinder-Eltern gelernt, dass man nicht weint, weil der Teddy weg ist, weil nur eine Bombe aufs eigene Haus echten Kummer rechtfertigt. Alles andere ist Hysterie.

Auch das ist totaler Quatsch.

Man kann in einer heilen Welt leben und trotzdem zutiefst bestürzt sein über den Verlust einen Kuscheltiers. Im Rahmen der eigenen Erlebniswelt ist das eine extreme Erfahrung. Und ehrlich gesagt bin ich ziemlich froh, wenn mein Kind keine anderen Sorgen hat. Kein Grund, mich darüber lustig zu machen.

Genau so ist es mit der Todesangst, die uns erwachsen macht, wenn wir ihr begegnen und sie überwinden.

Sie ist für jeden einzelnen von uns eine zutiefst subjektive Angelegenheit. Manche glauben, sie müssten sterben, wenn sie vor einer großen Gruppe sprechen. Andere machen das mit links, brechen aber in Angstschweiß aus, wenn man ihnen vorschlägt, der Freundin zu sagen, man sei jetzt bereit für Kinder.

Wieder andere leiden täglich unter Schmerzen, seelischen, oder Bauchschmerzen. Aber die Vorstellung, zum Arzt oder Therapeuten zu gehen und dann womöglich erstmal viel größere Schmerzen zu haben, lässt sie wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht erstarren.

Oder der Moment, wo eine Schwangere im Kreissaal landet und feststellt, dass sie da jetzt durch muss, und sich fragt, wie zum Teufel das eigentlich gehen soll ohne schreckliche Schmerzen, und erstmal alle Umstehenden wüst beschimpft.

Denn wir alle hassen das.

Wir hassen es, unsere Ängste überwinden zu müssen. Wenn es irgendwie geht, lassen wir es lieber bleiben. Wir fahren die Beziehung in den Sand, gehen nicht zum Arzt und bleiben lieber noch eine Weile im total drögen Job hängen.

Stattdessen gehen wir auf die Straße und schimpfen, wählen große starke Mami- und Papi-Politiker und stecken Flüchtlingsheime in Brand. Alles, um zu vermeiden, in unserem eigenen Leben unserer eigenen persönlichen Angst zu begegnen: vor Versagen, vor Verlust, vor dem Verlassenwerden.

Das Problem ist nur: Den richtig großen Preis kriegen wir so nicht. Wir fühlen uns nie sicher und wohl in unserer Haut, wir werden nie Eltern, wir machen nie die Arbeit, die uns glücklich macht, und wir werden sie nie haben, die total erfüllende Hammer-Liebesbeziehung bis ins Grab.

Wenn wir unserer größten Angst nicht begegnen, wird unser Leben immer fremdbestimmt sein. Wir werden um sie herum leben und das auch von unserer Umwelt einfordern: Nimm Rücksicht auf meine Angst. Tu dies nicht, denn das macht mir Angst. Ruf mich an, sonst hab ich Angst. Red nicht drüber, das macht mir Angst.

Das Ergebnis ist ein lahmes Kompromissleben, und egal, wie schön wir uns das reden: Tief im Inneren wissen wir ganz genau, dass es so ist.

Dagegen hilft nur, den eigenen Ängsten zu begegnen. Am besten täglich. Aber auf jeden Fall immer dann, wenn sie sich zeigen. Gut, man kann sich vorher ein paar Tage Gemecker und Wut gönnen, weil es schon wieder so weit ist. Aber dann ist es dran.

Und wenn man dann erwachsen geworden ist, dann versteht man auch, dass alles Schöne, was man sich wünscht, einen Preis hat. Egal was man sich wünscht, es kostet. Und diesen Preis musst du selbst zahlen. Mami und Papi sind nicht mehr zuständig.

Du willst Kinder? Sei bereit, deine Zeit, dein Geld, deine Kraft für die nächsten hundert Jahre jemand anderem als dir selbst zu schenken. Du willst die ganz ganz große Liebe? Gib die Alleinherrschaft und die Kontrolle über dein Leben auf und hör auf, recht haben zu wollen. Du willst richtig großen Erfolg? Das kostet: Zeit, Selbstbestimmung und die gemütlichen Vormittagsfrühstücke im Café um die Ecke. Du willst dich sicher fühlen, wissen, wer du bist, dich selbst mögen? Dann gib auf, dazugehören zu wollen und so zu sein wie alle anderen, und allen anderen alles nachzumachen.

Kinder lernen, dass sie alles, was sie wollen, zu ihrem bisherigen Leben dazubekommen. Den Preis zahlen die Eltern, und das bekommen sie oft gar nicht mit. Erwachsene wissen, dass sie für alles, was sie haben wollen, etwas geben müssen.

Das ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung. Aber dafür gibt’s auch eine Belohnung. Nämlich das ganz große, selbstbestimmte, wunderbare (und ja, immer wieder echt anstrengende) eigene Leben.