Ich habe heute eine sehr schräge Perspektive auf die Welt.

Für mich scheint jeder Mist, der grad schiefläuft, an einem Ende einen Mann zu haben, der ein Kind bleiben will.

BESONDERS die, die dafür bezahlt werden.

Das klingt dann so: „Ich will aber Glyphosat in Deutschland haben. Das hab ich meinen Kumpels versprochen.“ – „Das geht aber nicht, du bist gewählter Politiker, du musst die Interessen der Wähler vertreten und dich ans Gesetz halten.“ – „ich will aber nicht!“ – „Du musst.“ – „Aber das finde ich doof.“ – „Trotzdem.“ – „Ach Männo.“ – „-“ (später, allein) „Na das wollen wir doch mal sehen.“ (noch später) „Ich war’s nicht, der war’s! Die anderen machen es auch! Wär eh nicht gegangen!“ (springt mit geballten Fäusten auf und ab, beschwert sich bei Mami (=seinem Anwalt), schimpft über die Ungerechtigkeit der Welt).

Als wär unser ganzes Handeln hier auf der Welt in Wahrheit ein Wettstreit (von größtenteils Männern), wer länger ein kleiner Junge bleiben darf, und damit durchkommt. Jeder Sieg ein Punkt, wild bejubelt von den anderen.

All das, was wir an Männern traditionell bewundert haben, ist im Grunde ein gedankenloses Voranpreschen in kindlicher Freude. Extreme Macht und extremer Reichtum sind das Ergebnis sportlichen Ehrgeizes, ein Spiel. Kriege: sie sind verantwortungslos, machen aber Spaß wie wahr gewordene Ballerspiele.

Aber Drachentöten und im Blut baden kann man sich nicht mehr erlauben, wenn es sich um aussterbende Arten handelt, und sie keine Bedrohung für Dornröschen darstellen. „Och Mann!! Es macht aber doch so viel Spaaaaß! Bitteeeee! Ich will aber!!!“

So lang wir das belohnen und bewundern, oder belächeln und verharmlosen, werden aus kleinen Jungs nur große Jungs. Sie werden nicht erwachsen, nur immer besser darin, es zu verschleiern.

Und ja, das war ein Wortspiel.

Verantwortung ist lahm, langweilig und das Zeichen, dass man sich (von einer Frau) hat erwischen lassen. Man ist ein bisschen der Loser, spielt nicht mehr bei den coolen Jungs mit, ist ein Spielverderber.

Wenn wir Frauen also wollen, dass sich das ändert, müssen wir aufhören, es zu belohnen, zu bewundern, zu ermutigen. Wir müssen selbst Verantwortung übernehmen, statt uns Versorger, Beschützer und Platzhirsche zu suchen. Wacht auf Mädels! Das Millionärsmodell ist vom Tisch. Prinzessinnen sind magersüchtig und sterben in Limousinen mit überhöhter Geschwindigkeit. Trophy Wife ist ein Scheißjob.

Und wenn wir einen Mann wollen: Suchen wir uns die, die Verantwortung übernehmen, und verwechseln wir ihre Zuwendung, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit nicht mit Schwäche oder fehlender Coolness.

Zeigen wir unseren Söhnen und Töchtern die Lächerlichkeit von Mittdreißigern, die mit quietschenden Reifen und brüllend lauter Musik im Tuning-Japaner vorfahren und das ganz ernst meinen: „Der spielt noch mit Autos. Sie sind nur größer geworden“. (oder auch „Sie spielt Prinzessin. Nur mit echtem Geld.“)

Ziehen wir zur Verantwortung und werden darin ein Vorbild.

Nur so wird es Stück für Stück selbstverständlich, verantwortungsvoll zu handeln, und wir kommen endlich weg vom Feiern der Verantwortungslosigkeit.

 

Advertisements

Wenn ich mich gerade in der Welt umschaue, habe ich den Eindruck, dass wir immer mehr zu einem riesigen Kindergarten degenerieren. Wir jammern und meckern und maulen rum, weil Mami (Chefin) oder Papi (Freund) uns nicht geben, was wir wollen. Wir regen uns über Banalitäten auf, die unser echtes Leben kaum oder gar nicht berühren, wie Promi-Scheidungen oder den rauchenden Nachbarn auf dem Balkon.

Und da, wo es wirklich ernst wird, bei Korruption, Radikalisierung, der Verschleierung der Staatsfinanzen, der Zerstörung der Natur – da schauen wir weg. Denn es ist kompliziert, wir verstehen das nicht, und Mami oder Papi wird’s schon richten.

Irgendwie ist uns die Notwendigkeit des Erwachsenwerdens abhanden gekommen. Tja, würden da meine Eltern sagen, ihr habt ja auch keinen Krieg erlebt. Wenn man fast gestorben ist, dann muss das fast dazu führen, dass man hinterher erwachsen ist.

Und wie es aussieht, finden eine Menge Leute, dass so ein neuer Krieg eine ziemlich gute Idee wäre. Außerdem ist es gut für die Wirtschaft, und wir sind eh zu viele, blablabla…

Aber das ist totaler Quatsch. Initiationsriten vom Kind- zum Erwachsenensein gab es schon immer. Man braucht dazu wirklich keinen Krieg. Nur: was ist die Alternative?

Ich habe von meinen Kriegs-Kinder-Eltern gelernt, dass man nicht weint, weil der Teddy weg ist, weil nur eine Bombe aufs eigene Haus echten Kummer rechtfertigt. Alles andere ist Hysterie.

Auch das ist totaler Quatsch.

Man kann in einer heilen Welt leben und trotzdem zutiefst bestürzt sein über den Verlust einen Kuscheltiers. Im Rahmen der eigenen Erlebniswelt ist das eine extreme Erfahrung. Und ehrlich gesagt bin ich ziemlich froh, wenn mein Kind keine anderen Sorgen hat. Kein Grund, mich darüber lustig zu machen.

Genau so ist es mit der Todesangst, die uns erwachsen macht, wenn wir ihr begegnen und sie überwinden.

Sie ist für jeden einzelnen von uns eine zutiefst subjektive Angelegenheit. Manche glauben, sie müssten sterben, wenn sie vor einer großen Gruppe sprechen. Andere machen das mit links, brechen aber in Angstschweiß aus, wenn man ihnen vorschlägt, der Freundin zu sagen, man sei jetzt bereit für Kinder.

Wieder andere leiden täglich unter Schmerzen, seelischen, oder Bauchschmerzen. Aber die Vorstellung, zum Arzt oder Therapeuten zu gehen und dann womöglich erstmal viel größere Schmerzen zu haben, lässt sie wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht erstarren.

Oder der Moment, wo eine Schwangere im Kreissaal landet und feststellt, dass sie da jetzt durch muss, und sich fragt, wie zum Teufel das eigentlich gehen soll ohne schreckliche Schmerzen, und erstmal alle Umstehenden wüst beschimpft.

Denn wir alle hassen das.

Wir hassen es, unsere Ängste überwinden zu müssen. Wenn es irgendwie geht, lassen wir es lieber bleiben. Wir fahren die Beziehung in den Sand, gehen nicht zum Arzt und bleiben lieber noch eine Weile im total drögen Job hängen.

Stattdessen gehen wir auf die Straße und schimpfen, wählen große starke Mami- und Papi-Politiker und stecken Flüchtlingsheime in Brand. Alles, um zu vermeiden, in unserem eigenen Leben unserer eigenen persönlichen Angst zu begegnen: vor Versagen, vor Verlust, vor dem Verlassenwerden.

Das Problem ist nur: Den richtig großen Preis kriegen wir so nicht. Wir fühlen uns nie sicher und wohl in unserer Haut, wir werden nie Eltern, wir machen nie die Arbeit, die uns glücklich macht, und wir werden sie nie haben, die total erfüllende Hammer-Liebesbeziehung bis ins Grab.

Wenn wir unserer größten Angst nicht begegnen, wird unser Leben immer fremdbestimmt sein. Wir werden um sie herum leben und das auch von unserer Umwelt einfordern: Nimm Rücksicht auf meine Angst. Tu dies nicht, denn das macht mir Angst. Ruf mich an, sonst hab ich Angst. Red nicht drüber, das macht mir Angst.

Das Ergebnis ist ein lahmes Kompromissleben, und egal, wie schön wir uns das reden: Tief im Inneren wissen wir ganz genau, dass es so ist.

Dagegen hilft nur, den eigenen Ängsten zu begegnen. Am besten täglich. Aber auf jeden Fall immer dann, wenn sie sich zeigen. Gut, man kann sich vorher ein paar Tage Gemecker und Wut gönnen, weil es schon wieder so weit ist. Aber dann ist es dran.

Und wenn man dann erwachsen geworden ist, dann versteht man auch, dass alles Schöne, was man sich wünscht, einen Preis hat. Egal was man sich wünscht, es kostet. Und diesen Preis musst du selbst zahlen. Mami und Papi sind nicht mehr zuständig.

Du willst Kinder? Sei bereit, deine Zeit, dein Geld, deine Kraft für die nächsten hundert Jahre jemand anderem als dir selbst zu schenken. Du willst die ganz ganz große Liebe? Gib die Alleinherrschaft und die Kontrolle über dein Leben auf und hör auf, recht haben zu wollen. Du willst richtig großen Erfolg? Das kostet: Zeit, Selbstbestimmung und die gemütlichen Vormittagsfrühstücke im Café um die Ecke. Du willst dich sicher fühlen, wissen, wer du bist, dich selbst mögen? Dann gib auf, dazugehören zu wollen und so zu sein wie alle anderen, und allen anderen alles nachzumachen.

Kinder lernen, dass sie alles, was sie wollen, zu ihrem bisherigen Leben dazubekommen. Den Preis zahlen die Eltern, und das bekommen sie oft gar nicht mit. Erwachsene wissen, dass sie für alles, was sie haben wollen, etwas geben müssen.

Das ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung. Aber dafür gibt’s auch eine Belohnung. Nämlich das ganz große, selbstbestimmte, wunderbare (und ja, immer wieder echt anstrengende) eigene Leben.

There are only two things you can do to leave a trace beyond your own lifespan, to become „immortal“.

One is to create, like Dawid Bowie, whose music goes on existing, no matter if he is still here or not. Creations change the way we experience, and deal with, the world.

The other is to destroy – like any ruler who has ever entered into a war. Destruction lasts long after the original initiator is gone. It changes the shape pf the world, often for centuries to come.

In my option, destruction is much, much easier to do than creation. It’s almost an organizational feat: find an enemy, organize forces against him, set up your armory, and off you go. It doesn’t really take courage (or any emotion),. It can easily be done with a calculating, cool head (although it might be more exciting if your are really fired up).

Creation, on the other hand, requires some sort of readiness to show yourself to the world. It expresses who you are, and it’s always scary to show yourself to the world. Creation takes courage. Destruction doesn’t.

Which is why, as Renè Brown writes in „Daring greatly“, creation will always attract criticism, cynicism, and often hostility. No matter how good (or bad) it is. This comes from all those who look on and judge, but who know in their hearts that they are too frightened to create something themselves. This makes them vulnerable, and angry, because anger is great to hide vulnerability from the world.

So, do you want to leave a trace in this world?

And if yes, what are you going to choose? The insecure, messy, scary path of creation with absolutely no guarantee of success of even recognition, and a very high likelihood of a solid bashing from at least one person?

(I was amazed to see that The Queens’s live performance of Bohemian Rhapsody got 226K likes on youtube, and 7K dislikes. WTF?? If you don’t like the band, or the song, don’t listen to it. But what’s not to like about this crazy humongous super strange wonder of this modern classical song, and performed LIVE? Damn bloody hard, I’d say. Deserves applause just for the fantastic sparkling creativity and discipline and wholeheartedness, doesn’t it?)

See? Even the Queen get it wrong for some people. With this in mind: just go for it! And never mind the critics.

Markenessenz bedeutet, das, was man ist, auch nach außen sichtbar zu machen. Eins zu eins. Das verkauft sich unheimlich gut, das wollen alle haben. Bis zu dem Punkt, an dem es um die totale Selbstehrlichkeit geht. Mit allem, was man ist, und allem, was man nicht ist. Mit guten und schlechten Seiten, mit Qualitäten und Schwächen.

Und dann gibt es bei jedem Menschen den Punkt, wo er lieber nicht mehr hinschauen möchte. Da gibt es etwas, das will man auf keinen Fall sein. Und da gibt es etwas anderes, das man auf jeden Fall sein will (aber nicht ist).

Von außen betrachtet erscheint das erstmal total absurd. Wir sind ja alle gern individuell, weil wir uns dann besonders fühlen. Besonders humorvoll, oder besonders vielseitig, oder besonders mitfühlend. Und wir sind auch alle gern so wie die anderen, weil wir dann dazugehören. Zu den BVB-Fans, den Schuhkäuferinnen oder den Tatort-Guckern. Oder zu den Rebellen und Punks, die alle zusammen nicht dazugehören.

Grundsätzlich haben wir also verstanden, dass wir Gemeinsames mit anderen brauchen, aber auch individuelle Eigenschaften, die nur wir haben. Warum fällt es uns dann so schwer, zu sein, wer wir sind?

Ich habe mal bei einem fünftägigen Workshop mitgemacht, bei dem es darum ging, Antworten auf die  Frage „Wer bist du?“ zu geben, die einem dort immer und immer wieder gestellt wird. Interessanterweise haben wir alle aber eine ganz andere Frage beantwortet, nämlich: „Wer könntest du sein?“. Das ging dann so: „Momentan bin ich nicht so gut drauf. Das liegt daran, dass…. („…es im Job nicht läuft“, „…ich noch single bin“,“…mein Freund mich so nervt“, „…ich zu klein/dick/krank bin“)“.

Mit anderen Worten: „Ich bin nur gerade nicht ich selbst, weil die Umstände nicht passen. Aber wenn ich die erstmal alle auf die Reihe gekriegt habe, dann kann ich mich total entspannen und ganz ich selbst sein. So lange ich mich suche, kann ich mich allerdings erstmal nicht einlassen, weder auf einen Partner noch auf einen Berufsweg, und schon gar nicht auf größere Verbindlichkeiten, wie Heirat, Familie, Hausbau oder Firmengründung. Weil ich ja nicht ich selbst bin, und dann steh ich da, hab den falschen Job, den falschen Ort oder den falschen Mann“.

Das kann man ewig so weitermachen.

Aber funktioniert es wirklich? Woher weiß man denn, dass nicht ein besserer Job oder Mann um die nächste Ecke kommt? Wie glücklich ist „glücklich genug“? Wann ist die Suche beendet? Was ist überhaupt das Ziel, und woran erkenne ich, wenn ich es erreicht habe?

Im Markenessenz-Prozess gibt es einen Punkt, da ist man angekommen. Da gibt es den Moment, wo alle Wunschvorstellungen, Illusionen, Sehnsüchte und Selbstlügen sich aufgelöst haben, und wo klar wird: Das ist es, wofür ich stehe. Und das fühlt sich nicht etwa an wie Silvester und Weihnachten zusammen, sondern ganz ruhig. Es fühlt sich normal an und einfach. Wie nach Hause kommen.

Bei manchen dauert es lang, bis sie dort sind, bei anderen geht es schneller. Aber absolut jeder kann diesen Punkt erreichen. Das hat nichts mit Selbstoptimierung zu tun, sondern mit dem Loslassen von Konzepten, Ideen und Vorstellungen, die man von sich selbst hat.

Es gibt kein richtig oder falsch, kein besser oder schlechter. Es gibt im Grunde nur eine Frage, um festzustellen, ob man auf dem richtigen Weg ist:

Funktioniert es?

Fühlt es sich gut an? Macht es Spaß? Bringt es mich meinen Zielen und Wünschen näher? Bin ich stolz auf mich? Mag ich meine Freunde? Habe ich ein schönes Leben?

Falls nicht: probier etwas Neues. Egal was. Und schau, ob es funktioniert. Und irgendwann, nachdem du schon Wochen und Monate nicht mehr dran gedacht hast, schau dich um in deinem schönen Leben und sag dir: Aha! Das bin ich also.